Arrangeur / Komponist Robert Lingnau - home NeuesBiographieArbeitMusikNoteninteraktiv

Newsticker - Jazz & beyond

Archiv: Was gab's Neues im Jahre 2007?

Musikalische Korkenknaller für 2008

31.12.2007
Oscar Peterson Dieses kalendarische Jahr ist vorbei. Im Jazz ist der Verlust vierer Giganten (siehe unten) zu beklagen: Max Roach, Joe Zawinul, Oscar Peterson und Michael Brecker. Von Letztgenanntem, einem der einflussreichsten Saxophonisten überhaupt, wurde posthum nun die musikalische Hinterlassenschaft auf CD veröffentlicht: Das Album heisst Pilgrimage. Es eines seiner besten Alben zu nennen, wäre schon aus emotionaler Sicht wünschenswert. Aber das ist es ohnehin. Nach mehreren hundert Platten als Sideman und Leader rief er zu seiner letzten Session gute Freunde: Pat Metheny, Herbie Hancock, Brad Mehldau, John Patitucci und Jack DeJohnette begleiten ihn auf seiner Pilgrimage, der 'Wallfahrt'.
Michael Brecker - Pilgrimage, Bild © N.N. / Universal Music

Herbie Hancock - River Auf die Frage zu seinen europäischen Helden antwortete Herbie Hancock in einem Interview mit dem Spiegel: Joe Zawinul. Anlass war ein Gespräch zu seinem neuen Album River - The Joni Letters. "Wir haben über die Stimmung eines jeden Songs geredet, als ginge es um einen Film. Überhaupt hat das Album eine sehr filmische Qualität.", erläutert Hancock zu den Titeln, die allesamt aus der Feder der kanadischen Songwriterin Joni Mitchell stammen. Eine schöne Rezension der CD, die für drei Grammys (u.a. bestes Album des Jahres!) nominiert ist, befindet sich auf laut.de.
Herbie Hancock - River, Bild © N.N. / Verve Records

Oscar Peterson - *15. August 1925, †23. Dezember 2007

27.12.2007
Oscar Peterson Die bekannten Jazzstars kommen beinahe ausschließlich aus den USA, ist man gerne geneigt anzunehmen, aber Oscar Peterson war Kanadier. Seit Mitte der 1950er Jahre raste er mit vielen, ja: allen Stars des Jazz über die Tasten. Seine ausgezeichnete Spieltechnik brauchte den Vergleich mit anderen Pianisten nicht zu scheuen, egal ob aus Klassik oder Jazz. Der Musikjournalist Christian Bröcking schreibt in der taz einen Nachruf. Die FAZ sieht Peterson neben Duke Ellington als einzigen Jazzmusiker, der die Emanzipation des Jazz als Kunstform schon in seiner äußeren Erscheinung verkörperte. Und natürlich gedenkt auch die New York Times mit einen umfänglichen, durch Hörbeispiele garnierten Rückblick auf Petersons Leben und Wirken. Seine Autobiographie A Jazz Odyssey: The Life of Oscar Peterson wird uns posthum mehr über Leben und Wirken des Brown Bomber of Boogie-Woogie verraten.
Oscar Peterson, Bild (Ausschnitt) © N.N., cbc.ca

JazzFest Berlin 2007

15.10.2007
JazzFest Berlin 2007 In meiner ehemaligen Jazzsendung Late Night - Jazz live pflegte ich zum Schluss immer zu sagen: "Und... halten Sie ihre Ohren offen!" Das können Berliner und Zugereiste in diesem Jahr auf dem JazzFest Berlin 2007 wieder umfäglich tun: Vom 31.10. bis zum 04.11. öffnet es seine Pforten. Es ist das letzte unter der künsterlischen Leitung von Peter Schulze. Diese wird, wie inzwischen bekannt wurde, ab 2008 vom dem Posaunisten und künftigen Co-Leiter der NDR Big Band Nils Landgren aka Mr. Red Horn übernommen, der im Jahr 2001 bereits das JazzFest-Zepter schwang.
Auf den Seiten der Berliner Festspiele können Sie das Gesamtprogramm des Festivals erkunden. Ich möchte an dieser Stelle auf die Liveübertragungen des Kulturradio vom rbb hinweisen: Am 03.11. sowie am 04.11. erwarten Sie von 20.04 bis 24.00 Uhr Musik, Beiträge und Gespräche - in Berlin auf 92,4 Mhz sowie in Brandenburg. Wir hören uns dann also, oder besser gesagt: Sie mich. ;-) Auf den Seiten des Kulturradio finden interessierte HörerInnen auch einen Real Audio-Internet Livestream. Weitere, angeschlossene Hörfunksender entnehmen Sie bitte dem Radioprogramm der ARD.
JazzFest Berlin 2007, Illustration (Ausschnitt) © Henning Wagenbreth

In eigener Sache: popakademie, neu in Berlin

01.10.2007
popakademie in Berlin Seit April des Jahres gehöre ich zum Dozententeam der in Berlin neu eröffneten Akademie Deutsche POP. Die angeschlossene popakademie bildet seit Oktober nun auch angehende Instrumentalmusiker aus. Der komplette Ausbildungsgang Musiker/in besteht neben musiktheoretischen Kursen und Themen aus dem produzierenden und planenden Bereich aus den Kursen Livemusiker/in, Performer/in, Studiomusiker/in und Profimusiker/in. Die Instrumentaldozenten sind allesamt namhafte, junge und vielbeschäftigte Berliner Profis.
popakademie, Logo © music support group

Joe Zawinul - *07. Juni 1932, †11. September 2007

13.09.2007
Joe Zawinul Als ich die Übertragungen vom JazzFest Berlin 2005 für den ARD-Hörfunk moderierte, kam ich selber noch in den Genuss des Pianisten und Keyboarders Joe Zawinul, der im Haus der Berliner Festspiele zusammen mit der Big Band des WDR spielte. Es war laut, aber auch schön, diesen kautzigen Kerl zusammen mit der tollen WDR-Truppe und seinen Klassikern wie Birdland oder Mercy, mercy, mercy zu hören, obwohl diese Titel mittlerweile doch sehr abgedudelt sind. Hartnäckigen Gerüchten zufolge soll der Österreicher Josef Luniwaz geheissen haben, Zawinul demnach als Palindrom rückwärts gelesen, was natürlich nicht wahr ist. Der Virtuose in Schwarzweiß, so das Magazin Spiegel, ist jetzt bei seinem von ihm so genannten "Vater" und streitet sich mit ihm, ob Wheather Report oder die Band um Miles Davis besser war, der er nicht beitreten wollte. Ledigich auf zwei Studioalben von Miles wirkte er mit. Im Alter von 75 Jahren ging Zawinul, der sich als Erfinder der Hip Hop-Beats wähnte, in seiner Heimatstadt Wien in die eternal time über.
Joe Zawinul 2007 in Freiburg, Bild (Ausschnitt) © N.N., wikipedia.de

Max Roach - *10. Januar 1924, †16. August 2007

18.08.2007
Max Roach "You can't write the same book twice." Obwohl er musikhistorische Sationen passierte, sagte Max Roach, so kann er doch nicht zurückgehen und diese erneut anlaufen. Das habe ihn ihn gelegentlich in künstlerische Krisen gefürt, die sein Leben aber interessant hielten. Leider ist dieses Leben nun vorbei.
In beinahe jedem Genre zwischen Bebop und Avantgarde war er zu Hause, und sein Beitrag zur Entwicklung des Jazz ist beeindruckend. Seine Spuren hinterließ er bei Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Duke Ellington und Miles Davis. Wer ihn lediglich als Bebop- oder Hardbop-Schlagzeuger kannte, werfe einen Blick auf seine Diskographie. Seine Erfolge waren ihm aber nie ein Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, denn Musik begriff Roach als großes Kontinuum.
Mit seinem Tod im Alter von 83 Jahren in New York fehlt der Vorreiter der modernen Schlagzeugs, ein Stilschöpfer, aber auch ein politischer Aktivist. 1960 erschien die Freedom now Suite auf der Platte We insist! 2001 sagte er in einem Interview der taz zur Lage der Afroamerikaner: "Das Einzige, was wir besitzen, ist die Kultur, die wir hervorgebracht haben." Und innerhalb dieser empfand er als Schlagzeuger, wie ihn Joachim Ernst Berendt zitierte: "Mit dem Rhythmus tun, was Bach mit der Melodie getan hat."
Max Roach, Bild (Ausschnitt) © N.N. / audiotoys.com

"Sky Blue" - Maria Schneider Orchestra

20.07.2007
Maria Schneider - Sky Blue Eine neue CD von Maria Schneider. Man kann sie nur bei artistshare bestellen und aus den USA importieren. Gut, dass dauert etwas länger und bereitet daher kleine Umstände. Wer mich kennt, weiss wie sehr ich diese Frau und ihr Jazzorchester schätze, ja bewundere. Ich habe immer Angst vor ihren neuen CDs, und der Umstand, dass die Bestellung etwas hinderlich ist, wird daher von mir begrüßt. ;-)
Für zwei Grammys ist die neue CD mittlerweile nominiert, und die Kritiker teilen meine Begeisterung. allaboutjazz.com beispielsweise lobt: "It seemed impossible for Schneider to top her Grammy-winning Concert in the Garden (Anm.: das Vorgängeralbum), but she's done just that with Sky Blue. She has elevated her music to a seemingly impossible height." Ich kenne Aaron Copland nicht gut, aber finde diesem Satz der Pittsburgh Tribune dennoch sehr bezeichnend: "[...] She puts together stories that speak with the clarity of Ernest Hemingway and the musical grace of Aaron Copland."
Fü ein eigenes akustisches Bild empfehle ich die Website von Maria Schneider. Besser noch, und dann hätten wir etwas gemeinsam: Bestellen Sie die CD. So ist Geld deutlich besser angelegt als in shareholder values oder ähnlichem.
Maria Schneider, Bild (Ausschnitt) © N.N.

Nachtrag vom 06.08.2008: Glückwunsch! Nach ihrem ersten Grammy vor gerade einmal zwei Jahren hält Maria Schneider jetzt ihren zweiten Grammy in ihren dirigiergeweihten Häden: Cerulean Skies hat den Grammy in der Kategorie "Best Instrumental Composition" gewonnen. Das amerikanische Jazzmagazin Downbeat schreibt dazu anerkennend: "She has now become entrenched among the ranks of America's leading composers."

In eigener Sache: Akademie Deutsche POP, neu in Berlin

27.02.2007
Akademie Deutsche POP Mit Freude habe ich den Ruf vernommen, ab April mit zum Dozententeam der in Berlin neu eröffneten Akademie Deutsche POP zu gehören. Neben Eichenau, Köln und München kann man sich nun also auch in der Hauptstadt u.a. in den Bereichen Ton und Bild, aber natürlich auch musikalisch ausbilden lassen.
Ab Kursbeginn im April werde ich als Dozent im Fachbereich Musik tätig sein und dort Musiktheorie sowie angehende Arrangeure und Komponisten unterrichten.
Deutsche POP, Bild © music support group

Michael Brecker - *29. März 1959, †13. Januar 2007

15.01.2007
Michael Brecker Michael Brecker popularsierte das Saxophon der Ära nach John Coltrane. Wie kein zweiter Jazzmusiker war er spätestens seit seinem Durchbruch als Solist 1987 mit ein Grund, weshalb die Übekabinen an Musikhochschulen ständig ausgebucht waren. Brecker-Licks gehörten bald zum guten Ton einer zeitgemäßen Improvisation, und auch sein Sound prägte die Generation junger Jazzer nachhaltig. Sein Tod ist tragisch, kam er doch viel zu früh aufgrund einer Leukämie, nachdem im Jahr 2005 die Krankheit MDS diagnostiziert wurde. Für ihn konnte, trotz Anteilname auf der ganzen Welt, kein passender Knochenmarkspender gefunden werden.
Michael Brecker Live Recordings ist eine sehr empfehlenswerte Seite. Dort erlebt man umfäglich, weshalb man Brecker als einflussreichsten Saxophonisten der Gegenwart bezeichnen darf und sollte. Aufgelistet sind alle 714 Studioalben, auf denen Michael Brecker mitwirkte, darunter auch bei so bekannten Popmusikern wie James Taylor, Paul Simon, Joni Mitchell und Steely Dan. Der ambitionierte Jazzer findet dort eine umfangreiche Sammlung von Solotranskriptionen Michael Breckers als pdf samt Aufnahmen in wma-Format. Besuchen Sie auch die Seite seines Bruders und musikalischen Partners bei den vielgerühmten "Brecker Brothers": Der Trompeter Randy Brecker.
Michael Brecker, Bild (Ausschnitt) © Barry Quick @ jazzreview.com

The funkiest mutha in the Universe - James Brown ist tot

01.01.2007
James Brown James Joseph Brown verstarb am 25. Dezember 2006. Eine gute Zusammenfassung über Leben und Wirken des musikalischen Papstes hält Wikipedia für Sie bereit. Mir persönlich fehlen die Worte. Um es also mit seinen Songtiteln zu sagen:
Kein anderer Musiker konnte stets dermaßen überzeugend I feel good in die Welt rufen. Er nahm den Night Train, so auch viele mit Please, please, don't go protestierten. Wo auch immer er jetzt sein möge, Papa's got a brand new bag. Andere konnten ihre Gedanken zum Tode des Godfather of Soul angemessener formulieren:
  • No one has ever integrated music, musicianship, dance and showmanship so effectively as did J.B. Every rap, hip-hop, house, soul, R&B, rock and pop artist practicing today has been influenced compositionally and choreographically by Mr. Brown.
    - Dan Aykroyd, Schauspieler
  • Last night he said 'I’m going to be there. I’m the hardest working man in show business.'
    - Browns Agent Frank Copsidas zitiert James Brown am Vorabend seines Todes zu einem geplanten Neujahrsauftritt.
  • What James Brown was to music in terms of soul and hip-hop, rap, all of that, is what Bach was to classical music. This is a guy who literally changed the music industry. He put everybody on a different beat, a different style of music. He pioneered it.
    - Reverend Al Sharpton
  • People already know his history, but I would like for them to know he was a man who preached love from the stage. His thing was 'I never saw a person that I didn’t love.’
    - Charles Bobbit, ein Freund Browns, bei seinem Tode anwesend
James Brown, Bild (Ausschnitt) © N.N. / Quelle Zitate: AP
homeNeuesArchivNewsticker zuruecknach oben